


Das Konzept versteht die (Innen)architektur als Schwellenraum zwischen den Polaritäten unseres Daseins: zwischen Zuhause und Hospiz, zwischen Draußen und Drinnen, zwischen Einssein und Mitsein. Es bewegt sich im Spannungsfeld von Trauer und Zuversicht, von Weinen und Lachen, von Verzweiflung und Trost. Übergänge bedeuten hier nicht Bruch, sondern Begleitung – zwischen Leben und Tod, zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit. Räume werden zu Resonanzkörpern für das Dazwischen: schützend, verbindend und bewusst gestaltet für Momente, in denen Raum mehr ist als Hülle – nämlich Halt in Raum und Zeit.
Was, wenn morgen der am sichersten geglaubte Raum – der eigene Körper – keinen Schutz mehr bietet?
„Architektur wird zum zweiten Körper, wenn der eigene Körper nicht mehr den Schutz bietet, den wir als Menschen für unser verletzliches Inneres so sehr brauchen. Ein kranker Körper ist durchlässig bis zur Seele.“ T. Vollmer
Die sogenannte „Rotterdam-Studie“ von Prof. Dr. Tanja C. Vollmer zeigt, dass schwerkranke Menschen Räume anders wahrnehmen als Gesunde: enger, dunkler, bedrohlicher. Sie sind sensibler gegenüber Licht, Lärm, Gerüchen, Temperatur und Farbe.
Für uns als Architekt:innen und Innenarchitekt:innen bedeutet das eine klare Haltung:
Räume im Hospiz sind keine funktionalen Hüllen – sie sind emotionale Resonanzkörper.
Leitidee: Übergänge gestalten
Das Entwurfskonzept versteht das Hospiz nicht als Endpunkt, sondern als Schwellenraum.
Ein Ort des Dazwischen. Ein Raum, der Übergänge begleitet – räumlich, zeitlich und existenziell.
Zielsetzungen
• Weite schaffen statt Enge
• Reize reduzieren statt überfrachten
• Licht und Helligkeit als atmosphärische Träger
• Naturnähe als therapeutisches Prinzip
Farb- und Materialkonzept: Dialog statt Dominanz
Natur ist nie monochrom. Sie ist gebrochen, vielschichtig, dialogfähig.
Daraus leitet sich eine Gestaltung ab, die auf visuelle Beruhigung durch sensible Nuancierung setzt:
• keine starken Helligkeitskontraste
• helle, aber tragende Tönungen
• harmonisches Zusammenspiel feiner Abstufungen
• Nuancenreichtum bei gleichzeitiger Überschaubarkeit
Räumliche Elemente als Haltung
In einem interdisziplinären Workshop mit den Mitarbeitenden haben wir folgende Qualitäten definiert:
• Die Atmosphäre:
einladend, geborgen, ruhig, warm, natürlich – und professionell.
Ein Umfeld, das Sicherheit vermittelt und Ängste reduziert.
• Natürlichkeit und Beruhigung durch verhüllte Nuancen in verwandten Farbwinkeln
• Holzlamellen als durchgängiges Element zur Zonierung, Umfassung und Gliederung
• Lehmputz an der Hauptwand als sinnliche, atmende Oberfläche – als haptisches „Zitat“ von Erdung und Materialehrlichkeit
Das Hospiz als Ort des Mitseins
Das Hospiz wird hier nicht als isolierter Rückzugsort gedacht, sondern als Ort des Mitseins.
Als Raum, der Gemeinschaft ermöglicht und gleichzeitig Intimität schützt.
Übergänge brauchen Schutzräume.
Räume, die weder klinisch noch privat sind – sondern etwas Drittes:
ein bewusst gestaltetes Dazwischen.